Auf unserer nächtlichen Rückfahrt, die uns wieder 17 Stunden Fahrt kosten sollte, hatten wir es uns bereits einigermaßen bequem auf unseren engen und harten Sitzen gemacht. Während der ein oder andere schon ein kleines Nickerchen machten, hielten wir plötzlich außerplanmäßig mitten im Dunkeln irgendwo in Frankreich an. Wach wie ich noch war, stiegen wir allesamt aus dem Bus aus und gingen eine lange, sehr dunkle Straße entlang. Keine Ahnung, was uns erwarten sollte, doch folgten wir unserer Französischlehrerin gespannt, die uns unbedingt noch etwas Sehenswertes bei Nacht zeigen wollte.
Am Ende der “Rue Saint-Catherine” machte sich ein gigantischer Platz der absolut besonderen Art vor uns auf. Wir konnten es gar nicht glauben, was wir da gerade sahen! Da war es dann auch klar, wo wir gelandet waren. Auf unserer Rückfahrt hatten wir ja bereits einige Kilometer hingelegt, sodass wir uns auch schon gegen 22 Uhr in der Region Grand Est (bis 2015 noch Lothringen), genauer gesagt im Département Meurthe-et-Moselle ca. 150 km westlich von Straßburg und 120 km von Saarbrücken entfernt, befanden. Hier liegt die wundervolle Stadt Nancy (veraltet dt.: Nanzig), welche wir nun bei Nacht einen Besuch abstatteten.
Die Flussstadt wird hierbei westlich von der Mosel umringt und östlich von der Meurthe begrenzt. Den prachtvollen Platz, den wir nun alle bestaunten, ist der “Place Stanislas” - eine absolute Attraktion! Im klassizistischen Baustil errichtet, versprüht es als UNESCO-Weltkulturerbe einen barocken und königlichen Charme. Der Name und die Idee des prächtigen Platzes stammt von Stanislaw Leszczyński, “Herzog von Lothringen” und ehemaliger König von Polen, der inmitten dessen eine Statue von sich selbst errichtet ließ.
Das Highlight aber, den Platz unbedingt am Abend bzw. bei Nacht zu besuchen, ist die außergewöhnliche Beleuchtung. Jede Fassade der Gebäude wird dabei in ein buntes und prächtiges Lichterspektakel gefärbt und lassen den Platz in einem ganz besonderem Glanz erstrahlen! Ein absolutes Must-Seen!
Während wir das bunte Treiben auf dem Markt auf uns wirken ließen, saß die einheimische Bevölkerung, typisch französisch, in den noch prall gefüllten Cafés und Restaurants des Marktes und ließ es sich bei köstlichem Wein und leckeren Speisen zu später Stunde gut gehen.
Da der Platz quadratisch angeordnet ist, befindet sich in zwei der vier Ecken jeweils ein herrschaftlicher Brunnen mit hohen in Gold veredelten, schwarzen Toren, vor denen sich Skulpturen glanzvoll präsentieren.
"Wir erlaubten uns dabei am “Fontaine de Neptune” - dem Neptunbrunnen - ein Foto zu schießen, als plötzlich zwei uniformierte Franzosen mit Biergläsern in der Hand auf mich zugerannt kamen und sich grinsend neben mich setzten. Ich begrüßte sie mit “Bonjour!” und einer von ihnen entgegnete mir mit: “Bonjour Madam!”, obwohl es ja eigentlich abends war. Mit zwei völlig fremden, verkleideten Männern links und rechts an meiner Seite, schossen wir ein Bild für die Ewigkeit und so schnell sie auftauchten, verschwanden sie auch wieder. Dabei sahen wir später noch eine größere Truppe dieser Uniformierten in einem Café sitzen, können aber bis heute nicht sagen, um welche Männer bzw. Uniformen es sich da handelte. Ein schönes Andenken an Nancy war es trotzdem!"