Wer der Rhône weiter südlich folgt, trifft ebenfalls auf eine ganz besondere historische Stätte. Circa eine Dreiviertelstunde südlich von Avignon und der Pont du Gard entfernt befindet sich die Stadt Arles, welche im Département Bouches du Rhône liegt. Als Welterbestadt ist sie die drittgrößte im ganzen Départment. Auch hier hinterließen die Römer ihre Spuren, galt Arles doch zu jener Zeit als Provinzhauptstadt des Römischen Reichs. Zahlreiche historische Denkmäler erinnern daran.
Unser erster Attraktionspunkt von Arles war das gewaltige Amphitheater “Les Arénses d’Arles”. Das ellipsenförmig römische Bauwerk, thront inmitten der Altstadt von Arles, vor dem eine breite Treppe majestätisch hinaufführt. Mit dem “Passeport scolaire” (4,00€) hatten wir Zutritt ins Amphitheater und wurden direkt in die Antike zurückversetzt. Früher galt das zweigeschossige Monument als zentraler Mittelpunkt der Stadt und bot Platz für schätzungsweise 25.000 Zuschauer. Heute wird die Arena jedoch nur für Festtage, Aufführungen und sogar Stierkämpfe genutzt. Aber keine Sorge, hierbei geht es nicht darum, den Stier zu töten, sondern ihnen Trophäen gekonnt zu stibitzen.
Folgt man der ”Rue de Voltaire” vor dem Eingang des Amphitheaters wieder hinunter, gelangt man auf einen kleinen Marktplatz - dem “Place Voltaire”. Hier sorgen die kleinen Bistros mit ihren verschiedenen Baguette-Angeboten für das leibliche Wohl zwischendurch. Das ruhige Treiben in der Mittagszeit genossen wir für einen gemütlichen Rundgang durch die Altstadt. Und eins muss hier unbedingt erwähnt werden. Die Gassen von Arles sind wunderschön und bieten perfekte Kulissen zum Fotografieren. Um das richtige Motiv zu finden, sollte man aber auch hinter die Hauptstraßen blicken und sich ruhig trauen, in die Gassen tiefer hineinzugehen.
Auch ich war auf meiner Frankreich-Reise mit dem Ziel unterwegs, einen Schnappschuss von einer typisch mediterranen Häusergasse einzufangen. Hier wurde ich definitiv fündig!
Bei all den eindrucksvollen Straßen der Altstadt, landeten wir später auf einem größeren Marktplatz - dem “Place de la République” - ein schöner und heller Platz, auf welchem sich ebenfalls das “Hôtel de ville” (Rathaus) von Arles befindet. Gegenüber davon thront ein prachtvolles Denkmal inmitten des Platzes. Der 15 Meter hohe “Obélisque d’Arles” stellt ebenfalls ein römisches Bauwerk aus der Antike dar, welches früher den Wagenlenkern zur Orientierung diente.
Der Marktplatz ist natürlich ein zentraler Ort des Geschehens. Doch als wir auf den großen Platz gelangten, trafen wir lediglich auf einen Teil unserer Reisegruppe wieder. Ansonsten wirkte der Platz wie ausgestorben. Nur ein paar Einheimische erledigten ihre üblichen Wege, die Mittagssonne stand im Zenit und das Einzige, was wir wollten, war nur eine Abkühlung!
Da fiel uns seitlich des Rathauses die nächste Sehenswürdigkeit auf - die “St. Trophime Kirche”. Die ehemalige Benediktiner Abteikirche lud uns durch ihr imposantes Portal ein, welches aufwendig restauriert wurde und mit unzählig vielen Skulpturen und detailreichen Verzierungen versehen war. Die Kathedrale war ein Geschenk an Friedrich Barbarossa, der in Arles zum König von Burgund gekrönt wurde.
Der Kreuzgang im Inneren erinnert dabei an ein typisches Kloster. Auch wir folgten diesem, mit dem einzigen Ziel uns in Ruhe abkühlen zu können. Die schattigen Gänge sind dafür einfach ideal! Die beeindruckende Kirche gehört heute zu den bedeutendsten Bauwerken in ganz Arles.
Doch wer nach Arles kommt, kennt die Stadt möglicherweise auch schon durch andere nennenswerte Auszeichnungen. Berühmtheit erlangte nämlich der Ort nicht nur durch die herrschsüchtigen Römer, sondern durch einen ganz berühmten Künstler. Vincent van Gogh lebte 15 Monate in Arles und ließ sich vom Charme der französischen Stadt inspirieren. Für über 300 berühmte Gemälde, wie zum Beispiel das weltbekannte „Nachtcafé“, stand Arles als Vorlage und Inspiration seiner Werke Modell. Bis heute ist Arles aber auch vielen Pilgerern ein Begriff. Von hier aus ist die Stadt Startpunkt eines französischen Abschnitts des Jakobswegs nach Santiago de Compostela.